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Erasmus plus: Schüler aus Traben-Trarbach besuchen ihre norwegische Partnerschule

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Am Freitag, dem 20. April war es endlich soweit: 16 Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Traben-Trarbach machten sich zusammen mit zwei Lehrerinnen zu nachtschlafender Zeit auf den Weg zu ihrer norwegischen Partnerschule nach Rørvik in die Trøndelag-Fylke. Was die etwas abstrakte Angabe „Rørvik liegt auf Höhe von Island“ heißt, wussten alle spätestens um 21:30 Uhr ganz konkret, als die Gruppe endlich mit dem schuleigenen Kleinbus, der sie vom zweieinhalb Stunden entfernt liegenden Bahnhof in Grong abgeholt hatte, auf das Gelände der Ytre Namdal videregående skole fuhr.

Hier gab es den ersten, noch etwas schüchternen Kontakt zwischen Gastgebern und Gästen, bevor alle in ihre Quartiere fuhren. Der nächste Tag sollte vor allem dem Kennlernen dienen und wurde bis zum Nachmittag in bzw. mit den Gastfamilien verbracht, bevor in der Schule zu einem typisch norwegischen Waffelessen eingeladen wurde. Beim anschließenden Lösen verschiedener Aufgaben in gemischten deutsch-norwegischen Gruppen samt abschließender Präsentation war dann spätestens die anfängliche Schüchternheit wie weggeblasen, sodass die Stimmung beim Wanderausflug zum Valøytind, dem höchsten Berg der Inselkommune, am nächsten Tag schon vollkommen fröhlich und ungezwungen war. Am Freitag, dem 20. April war es endlich soweit: 16 Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Traben-Trarbach machten sich zusammen mit zwei Lehrerinnen zu nachtschlafender Zeit auf den Weg zu ihrer norwegischen Partnerschule nach Rørvik in die Trøndelag-Fylke. 

Es folgten nach einer Begrüßung durch den stellvertretenden Direktor von Montag bis Mittwoch drei Tage, die ganz im Zeichen der Projektarbeit standen und eine Fülle von Programmpunkten bereithielten. Zum Teil wurde dabei in der Schule gearbeitet, wo die norwegischen Schüler Verschiedenes vorbereitet hatten und den deutschen Gästen auf Deutsch oder auf Englisch präsentierten. Höhepunkt war dabei sicherlich die „Modenschau“ eines Deutschkurses, der in durchaus auch selbstironischer Weise Besonderheiten der norwegischen Bekleidungskultur aufs Korn nahm. Die Traben-Trarbacher Schüler waren sich im Anschluss schnell einig, dass es beim Gegenbesuch der Norweger im September unbedingt eine deutsche Version geben muss!

Ein Schwerpunkt der Projektarbeit lag aber in der Erkundung der 3000-Einwohner-Stadt Rørvik und speziell der dort ansässigen Wirtschaftsbetriebe. Die deutsche Schülergruppe bekam so z.B. bei der Besichtigung der Firma „Rørvik Fisk“ einen Einblick in die Herstellung landestypischer Fischprodukte, wobei die Jugendlichen echten Forschergeist bewiesen, als sie die nach der Führung angebotenenen warmen „Fiskekaker“, eine Art Fischfrikadelle, trotz zuvor bekundeter Skepsis tapfer probierten – und für sehr lecker befanden. Neben einer weiteren Führung durch eine Fischschlachterei, bei der zur Erleichterung aller jedoch gerade nicht geschlachtet wurde, stand als besonderes Highlight eine in zwei Gruppen durchgeführte Bootstour zu einer der um Rørvik zahlreich vorhandenen Lachsfarmen auf dem Plan. Die Bootsfahrt am Montag erwies sich dabei als echter Glücksfall (die zweite Gruppe hatte am nächsten Tag mit deutlich schlechterem Wetter zu kämpfen): An diesem Tag konnte hautnah beobachtet werden, wie in einem aufwendigen Verfahren, der sogenanten Hydralisation, die Zuchtlachse von Parasiten befreit werden, indem sie von einem der im Meer liegenden, riesigen Netze in ein anderes gepumpt und dabei mit sehr viel sauerstoffreichem Meerwasser abgespült werden. Besonders spannend war es, dass die einzelnen Schritte von den Beschäftigten vor Ort geduldig erklärt wurden. Insgesamt ist durch die anschauliche Erkundung der Betriebe in Rørvik allen sehr deutlich geworden, in welch unvorstellbaren Dimensionen in dem kleinen Ort Rørvik Lachs produziert, weiterverarbeitet und weltweit exportiert wird! Die Vikna-Kommune, deren Hauptort Rørvik ist, ist eine wachsende Gemeinde und ständig auf der Suche nach gut ausgebildeten Arbeitskräften, was den deutschen Schülern zwar mit einem Augenzwinkern, aber auch unverhohlen offen kommuniziert wurde.

Der letzte Tag vor der Abreise hatte einen geschichtlichen Schwerpunkt, nämlich die Auseinandersetzung mit der deutschen Besatzung Norwegens während des zweiten Weltkriegs. Nach dem Besuch noch vorhandener Bunkeranlagen in Höhe der heutigen Brücke zum Festland stand am Nachmittag ein sehr lebendig gehaltener Vortrag auf dem Programm, der die strategische Bedeutung Norwegens für die deutsche Kriegsführung zum Inhalt hatte, aber auch über das Alltagsleben in der Region während der Besatzung informierte.

Nach einem hervorragenden Abendessen an den festlich gedeckten Tischen der Schulkantine am Mittwochabend (die Ytre Namdal videregående skole bildet u.a. auch Köche aus und es gab überraschenderweise - Lachs) und einer Rede des Bürgermeisters mussten sich alle widerstrebend eingestehen, dass die erlebnisreichen Tage nun offiziell vorbei waren. Der Abschied, auch am nächsten Morgen, fiel allen sichtlich schwer, hatten sich die Schüler doch hervorragend verstanden und sich gute Freundschaften gebildet... Es bleiben die Erinnerungen an eine Zeit, die allen den Horizont erheblich erweitert hat, im Hinblick auf das Leben in der norwegischen Abgeschiedenheit, auf die Freundlichkeit und Offenheit der dort lebenden Menschen, auf das Zusammenleben in Europa, auch wenn Norwegen nicht Mitglied der EU ist. Eins ist aber definitiv jetzt stärker denn je: Die Vorfreude auf den Besuch der norwegischen Schüler in Traben-Trarbach vom 04.09.2018 bis zum 10.09.2018.