Gymnasium Traben-Trarbach gedenkt seiner jüdischen Schüler

Anlässlich der Pogromnacht von 1938 organisierten die Mitglieder der Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (SoR-) AG des Gymnasiums Traben-Trarbach am 9. November eine Gedenk-Aktion auf dem Schulhof.Ina Werner erläuterte den Begriff Pogrom (Verwüstung, Zerstörung) und die sich danach verschärfende Verfolgung, Ausgrenzung und Deportation der deutschen Bevölkerung jüdischen Glaubens bis hin zur Vernichtung von ca. 6 Millionen Jüdinnen und Juden unterschiedlichster Nationen durch Massenhinrichtungen oder in Konzentrationslagern. 

Jule Jäschke las einen erschütternden Zeitzeugenbericht des damals 15jährigen Berliners Ernest Günter Fontheim vom Morgen des 10. Novembers vor.  Plakate mit den Namen und Schicksalen der jüdischen Schüler des Gymnasiums und Plakate mit Aufforderungen wie „Toleranz und Vielfalt leben“,“ Neid und Spott – Schluss damit“, „Grenzen überwinden“, „Miteinander“, „Hoffnung teilen“ und „Haltung zeigen“ wurden von 23 weiteren Mitgliedern der SoR-AG hochgehalten. 

Zum Schluss rief Eliza Leci im Namen der SoR-AG auf zu einer Schweigeminute der gesamten Schulgemeinschaft, im Besonderen für die durch die Nationalsozialisten vertriebenen oder umgekommenen jüdischen Schüler der Schule, aber auch für alle anderen Opfer dieser unmenschlichen Herrschaft. 

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1935 besuchten 40 Schüler jüdischen Glaubens die höhere Schule in Traben Trarbach. Abiturienten ab 1900 waren Ernst Schoemann (Kröv), Dr. Max Isaak (Enkirch), Hans-Isaak Loeb (Enkirch), Friedrich Bender (Zell), Berthold Seiferheld (Kröv), Milian Schoemann (Traben-Trarbach), Ehrenfried von Tschirnhaus (Barmen, evangelisch, aber zum Mischling 1. Grades erklärt), Fritz Berg (Bernkastel) und Fritz Lieser (Bernkastel). Martin Schmitz (Traben-Trarbach) musste die Schule 1935 verlassen, überlebte Auschwitz und den Marsch nach Bergen-Belsen. Er kehrte an die Mosel zurück und lebte bis zu seinem Tod in Bernkastel-Kues. Mehrfach hat er an seiner alten Schule von seinem Schicksal berichtet. 

Die SoR-AG und die Leistungskurse Geschichte und Erdkunde der MSS 2 forschen in diesem Schuljahr unterstützt durch das Emil-Frank-Institut Wittlich als OPENION-Projektverbundpartner an der jüdischen Geschichte im Einzugsbereich der Schule  (www.openion.de/projekt/denk-mal-mach-mal).

Text: Anette Heintzen, OStR‘
Fotos: Anette Heintzen, Jochen Wiedemann und  Mark Grohmann